Zen - Kultur und Kampfkunst

Karate do als Weg – im Einklang mit sich selbst

Die Traditionen vieler Kampfkünste finden sich im Zen-Buddhismus wieder. Wer sich mit traditionellem Karate beschäftigt, der wird sich auch mit Zen und mit der Philosophie des Buddhismus auseinandersetzen. Denn Zen ist tief in dieser Lehre verwurzelt. Doch wie vereinbart sich das gedankliche Lebensbild der Lehre des Siddhartha Gautama mit dem Weg der Kampfkunst und den täglichen Anforderungen in Job und Familienleben in der heutigen Zeit?

Zen- Kunst - die Tee Zeremonie

Zen-Kunst - die Tee Zeremonie

Der Weg der Buddhistischen Lehre im Einklang mit der westlichen Kultur

Der Mensch steht sich oft selbst im Weg – auch bei Karate

Jeder Mensch wünscht sich ein erfülltes, glückliches Leben. Doch vielen Menschen steht dazu ein entscheidendes Hindernis im Weg. Seine eigene individuelle Psyche. Dabei ist es völlig egal, in welchem Kulturkreis dieser Mensch gerade lebt, er muss sich mit diesem Hindernis befassen, wenn er im Einklang mit sich selbst, seiner Umgebung und seinen Mitmenschen leben möchte. Als Ursprung für unsere Schwierigkeiten und Konflikte und dem Umgang damit, sieht der Buddhismus ein verengtes Bewusstsein. Der Mensch verliert in seinem eingeschränkten Bewusstsein den Blick auf das Ganze und Wesentliche und hat nun nicht mehr die Möglichkeit, die Wirklichkeit aus verschiedenen Blickwinkeln außerhalb seines Selbst zu betrachten. Er lebt in einer ICH bezogenen Welt, was nicht unbedingt heißt, dass er ein Egoist ist. Er erlebt seinen Alltag aus seinen abgespeicherten Erfahrungen und ist nicht mehr in der Lage, die momentane Situation völlig offen zu betrachten. Gerade in der Kampfkunst ist es wichtig, jeden Tag neu zu erleben. Ist dem Karateka gestern eine Karate Technik misslungen, heißt dass noch lange nicht, dass diese nie gelingt. Die Kampfkunst Karate ist der Weg, genau das zu lernen. Alles ist möglich, wenn sich der Karateka nur genug Zeit einräumt und seinen Geist von schlechten Erfahrungen frei macht.

Die Grundlage der buddhistischen "Vier Edlen Wahrheiten":

  • Leben ist Leiden
  • Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden
  • Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg - der Edle Achtfache Pfad

Karate als Weg aus dem „Leiden“

Unter „Leiden" versteht der Buddhismus nicht die Sühne oder gar die Hölle, der wir Christen ausgesetzt sind, wenn wir die Gebote des Christentums nicht beachten. In unserer schnelllebigen Zeit leiden wir auch nicht mehr an Hunger wie die indische Bevölkerung zu Lebzeiten Buddhas. Wir leben in einem relativ hochentwickeltem Sozialsystem. Und doch fehlt uns in der heutigen Zeit der Halt. Immer mehr Menschen verlassen die Kirche, weil sie sich dort nicht mehr wiederfinden. Wir erleben heute eine Gesellschaft, der es an übergeordneten, allgemein verbindlichen Prinzipien der Orientierung fehlt. Natürlich bleibt es jedem selber überlassen, sich persönlich weiterzuentwickeln und sein Glück zu suchen. Doch fehlt dieser hochentwickelten Massengesellschaft die Grundlage für die Sinnhaftigkeit und Werteorientierung. Die nachfolgenden Generationen verlieren den Bezug zu den Wertevorstellungen der Eltern, weil sich das Lebensumfeld mit der rasenden Entwicklung der Technologien komplett ändert. Wo früher der Vater oder die Mutter Ratgeber waren, bestimmt heute der Nachwuchs wo es lang geht. Dadurch entsteht ein großes Vakuum. Oft sind Drogenmissbrauch, Alkoholismus oder gar Selbstmord die Folge. Hier kann die Lehre des Zen und die Lehre des Buddhismus helfen. Das Karate Training ist der erste Schritt zu dieser Lehre. 

Zen-Buddhismus ist das Angebot der verschiedenen Arten der Kampfkunst

Wegen vielen Religionen gab es Kriege. Missionare versuchten ihren Glauben ganzen Bevölkerungsgruppen aufzuzwingen. Die Buddhistische Lehre ist hier eher als Angebot zu verstehen – eine Lebensphilosophie. Sie beharrt auch nicht darauf, die einzige Weisheit zu sein, sondern beruht eher auf vielen Erfahrungen und Beobachtungen des Menschen und der Natur. Ein fester Grashalm im Wind, der dem Käfer halt bietet. Viele Zen Meister schütteln den Kopf über die populistischen Tiraden mancher Kampfsportler, dass nur ihre Kampfkunst die einzig Wahre sei. Nur die Vielfalt macht unser Leben lebendig und interessant und es gilt für jeden einzelnen, sich seinen Weg und seine Kampfkunst zu suchen. Sie muss den Kampfkünstler ausfüllen und er muss sich darin wiederfinden.

Stell Dir eine Welt vor, in der es nur deinen Lieblingsblume gibt. Alle anderen Pflanzen dürften nicht existieren? Die Welt wäre nicht mehr bunt!

Karate Do - Der Weg der Kampfkunst Karate

Traditionelles Karate bietet dem Karateka eine Orientierung zur Persönlichkeitsentwicklung. Der Karateka lernt seinen Geist für Neues zu öffnen und sein ICH –bezogenes Bewusstsein zu leeren. Das geht natürlich nicht mit einem Fingerschnipp. Der Karateka muss mit festen Willen bereit sein sich zu öffnen. Er lässt den großen Schrank der Erfahrungen geschlossen und sieht unverbraucht die täglichen Dinge aus „Kinderaugen". Erst dann wird aus Blau nicht Midnightblue und aus einer Rose keine „veredelte Zuchtrose". Ohne Interpretation und ohne Ablehnung kann der Kampfkünstler jetzt neue Erfahrung machen, die ihn und seine Persönlichkeit bereichern.

http://youtu.be/ZvZ_TXGjhkw

Weisheit – Lernen von Buddha

Die Zen-Künste und Karate

Trotz des turbulenten und bunten Lebens in den heutigen Metropolen Japans ist als Widerspruch dazu die Zen- Kultur erhalten geblieben. In den stillen Teehäusern abseits der Hauptstraßen und in den alten Schulen werden die Zen- Künste auch heute noch praktiziert, gelehrt und gelebt. Alle klassischen Zen-Künste, wie der Tee-Weg (Chado), der Blumensteck-Weg (Kado), der Schrift-Weg (Shodo), der Schwert-Weg (Kendo) oder der Weg des Bogenschießens (Kyodo) beinhalten dieses Motiv der Bewusstseinserweiterung und Persönlichkeitsentfaltung. Zen ist eine ganzheitliche Schulung, die intensives lernen, üben und praktizieren als Voraussetzung mit sich bringt. Erst wenn der Karateka das begreift, dann ist auch die Begrüßung und jedes weitere Zeremoniell im Dojo keine leere Hülse mehr. Ohne dieses Wissen dazu wird Karate zur netten Freizeitgestaltung! Bei der Kampfkunst-Schulung im Sinne des Zen muss sich jedoch jeder Karate Schüler mit seiner Persönlichkeit und seinem Bewusstsein auseinandersetzen. Wer Karate im traditionellen Sinne leben möchte, muss also folglich eine konzentrierte, ernsthafte Haltung zu dieser Kampfkunst mitbringen. Aus dieser Auffassung leiten die Meister der Kampfkunst ihre Autorität ab. Der Karateka sollte sie nicht als Gymnastik-Trainer verstehen, sondern als Lehrmeister und Mentoren des Bewusstseins und der Persönlichkeitsbildung. Damit tragen auch die Kampfkunst Meister eine große Verantwortung.

http://youtu.be/32d_rZeBwFE

Kyoto und die Zen-Kultur Japans

Autor: Stefanie Wallner
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