Die Kyu Prüfung bei Karate Lehrgängen

Trotz Prüfungsangst und Leistungsdruck - Spaß beim Karate?

Die Scheiben in der Halle sind beschlagen. Draußen hat es 28 Grad Celsius und der Schweiß der 100 Karatekas könnte ein Planschbecken füllen! 19 Stunden Karate in dieser Woche und jede Einheit führt die Trainierenden an ihre Grenzen. Trotz Muskelkater, Blasen an den Füßen und Müdigkeit stehen alle am nächsten Tag wieder in der Halle! Und wofür? Um Karate zu leben!

Karate Gasshuku

Karate Gasshuku

Gemeinsam Schwitzen beim Karatetraining – das bildet ein starkes Wir-Gefühl!

Gasshuku – ein Karate Treffen aller Gürtelgrade!

Jährlich treffen sich ca. 1000 Karatekas auf dem Kata-Spezial oder dem Gasshuku des DJKB. Täglich schwitzen alle Graduierungen aufgeteilt auf mehrere Sporthallen mit Kime und Kiai beim Karate Training. Bekannte Senseis wie Shihan Hideo Ochi, Sugimura, Naka oder Toribio Osterkamp u.a. fordern Höchstleistung von jeder Altersgruppe. Sie motivieren und begeistern! Mit Tipps und Tricks zu den verschiedenen Karatetechniken lernt jeder Karateka lehrreiche Eselsbrücken, um sich die vielen Details besser zu merken. Alle verfolgen das gleiche Ziel! Sie wollen im Graduierungssystem der Kampfkunst Karate die nächste Stufe erklimmen und sich selber damit beweisen: Das Schwitzen und die Schmerzen haben sich gelohnt - ich habe mich verbessert!

Karate Kyu Prüfung auf dem Gasshuku

Wen der Sensei entscheidet, dass man die nächste Kyu Prüfung auf einem Karate Lehrgang ablegen soll, dann ist die Aufregung groß. Markus Rues, 5. Dan sagt: „In meinem Dojo muss jeder Karateka einmal eine Prüfung bei einem auswärtigen Lehrgang abgelegt haben. Da bestehe ich drauf!" Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Sensei im Dojo hat nur seine Sicht auf die Leistung seiner Schüler. Daher ist die Sicht eines fremden Prüfers sinnvoll. Der Prüfling stellt sich gleichzeitig der Herausforderung, dass gewohnte Umfeld des Dojos zu verlassen und auch vor anderen Karate Prüfern seine Leistung zu bringen. Und Markus Rues muss es wissen, denn er trainiert seit 2008 den Bundesjugendkader des DJKB und führt ein eigenes Dojo in Konstanz.

Prüfungsvorbereitung und Prüfungsangst geben sich die Hand

Als das Gasshuku beginnt, verdrängt das anstrengende Training zunächst die Gedanken an die Prüfung am Ende der Woche. An erster Stelle stehen: Lernen, Spaß am bewegen und durchhalten – am besten ohne Blasen an den Füßen! Doch Mitte der Woche macht sich langsam ein komisches Gefühl im Magen breit. In den Pausen sucht man die anderen Prüflinge aus seiner Gruppe und das Gesprächsthema ist: Prüfungsprogramm! Unter den Bäumen im Schatten trainieren zwischen den Karate Einheiten Karatekas das Prüfungsprogramm des DJKB. Wird der nächste Sensei auf das Prüfungsprogramm eingehen? Üben wir das noch einmal alle gemeinsam? Kann man den nächsten Sensei einfach bitten, das in seiner Stunde zu integrieren? Diese Fragen beschäftigen die nervösen Karatekas. Mit jeder Trainingseinheit zur Prüfung steigt auch die Aufregung.

Kyu Prüfung Karate

Kyu Prüfung Karate

Maßnahmen gegen Prüfungsangst bei der Karate Prüfung

Wer sich gut auf seine Karate Prüfung vorbereitet, der braucht keine Angst zu haben. Oftmals leichter gesagt, als getan! Manchmal stecken die Ängste tief und haben bei jedem Menschen verschiedene Auswirkungen.

Hier helfen verschiedene Tipps:

  • Sich im Dojo schon in die Rolle des Karate Prüflings begeben und die gewünschten Karate Techniken der Prüfung anderen vorführen.
  • Sich innerlich immer wieder den Ablauf der Techniken vorstellen.
  • Sich mental vorbereiten und sich selber geistig die Kata kraftvoll ausüben sehen.
  • Sich bei der Prüfung einen imaginären Gegner vorstellen Auf sich selbst und sein Können vertrauen!

Der Prüfungstag einer Karate Kyu Prüfung ist da!

Das letzte Karate Training nach 5 Tagen Gasshuku. Fast 20 Stunden Karate liegen hinter jedem Prüfling. Die Muskeln zittern und die Glieder sind schwer. Trotzdem ist jeder hochmotiviert und steht erwartungsvoll vor der geschlossenen Tür der Sporthalle. Was erwartet die Karatekas in der Halle? Wer sind die Prüfer? Anne, ein Prüfling zur Grüngurtprüfung, springt und läuft vor der Tür hin und her und macht schnell nochmal die Bewegungen der Kata. „Ich will jetzt endlich zeigen, was ich kann! Das Warten hier ist schrecklich!" Ab und an geht die Hallentür auf und freudestrahlende Karatekas kommen mit ihrer Urkunde in der Hand heraus. Freunde und Bekannte gratulieren und alle umarmen sich.

Die Karate Prüfung beginnt

Es ist soweit. Die Prüflinge der nächsten Gruppe betreten die große Halle, in der auch das Bundeskader Team die ganze Woche trainiert hat. Am anderen Ende der Halle steht ein kleiner Tisch. Dahinter sitzen zwei Karate Prüfer, eine Frau und ein Mann. Die Frau steht auf und winkt uns zu sich. Wie durch Watte hört man die Namen. Die Frau ist Anika Lapp, mehrfache Vize-Weltmeisterin des JKA und Europameisterin.

Die Gruppe wird aufgeteilt und das heißt: Nochmal warten! Erst kommen die anderen Kyu Grade aus der Gruppe dran. Aufstellen und los geht es! Die Befehle von Anika hallen in dem riesigen Raum von den Wänden. Beklommen sieht man den anderen zu. Kaum einer ist völlig fehlerlos vor Aufregung. Das gibt Hoffnung!

Dann steht man selber vor dem Prüfertisch und wird auf einer Linie aufgereiht. Anika gibt die ersten Anweisungen, die wie durch eine Dunstglocke ins eigene Ohr dringen. Gestern war alles noch da – auswendig, im Schlaf und jetzt? Was will sie nochmal? Was hat der Trainer gesagt? Kiai nicht vergessen, tief stehen......Kime....Hüfte abdrehen.....Technik mit Atmung verbinden. Die ganze Woche hat alles super geklappt und wurde von Tag zu Tag im gemeinsamen Karate Training besser. Jetzt sind die Muskeln steif, das Hirn leer und man fühlt, dass könnte ich eigentlich noch viel besser. Und trotzdem ist die Prüfung irgendwann vorbei. Die Prüferin kennt selber diese Situation und hilft freundlich über Ängste und Unsicherheiten hinweg. Ihre Stimme beruhigt und motiviert. Man spürt, dass hier ist nicht das Spiel der Tribute von Panem, sondern hier kommt jeder wieder heil heraus! Nach der Prüfung gibt das Prüfer Team wertvolle Tipps mit auf den Weg und endlich – auch die Urkunde.

Sibylle strahlt nach der Prüfung zum Braungurt:" Ich habe mich mental und körperlich gut auf die Prüfung vorbereitet. Doch wegen der fremden Umgebung mit anderen Prüfern hatte ich schon ein mulmiges Gefühl im Magen!"

„Als ich die Urkunde in der Hand hatte, dass war ein toller Moment! Den Braungurt habe ich mir schon lange gewünscht!" Matt hatte durch länderübergreifenden Wechsel in verschiedenen Dojos Probleme mit der Anerkennung seiner Graduierung. Als langjähriger Karateka würde er sich eine Vereinfachung der Verbandsrichtlinien wünschen und eine bessere Zusammenarbeit der Verbände. „Wer mit Karate beginnt, macht sich keine Gedanken, zu welchem Verband das Dojo oder der Verein vor Ort gehört. Man will nur eines – Karate lernen!"

So geht es sicher vielen Karatekas und schließlich wird auf jedem Karate Lehrgang und in jedem Dojo immer wieder betont: Im Karate Gi sind wir alle gleich!

Autor: Stefanie Wallner
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Die verschiedenen Gürtelgrade beginnen mit der höchsten Zahl, dem 9. Kyu und enden bei der niedrigsten Zahl, dem 1. Kyu. Ein Karate Anfänger fängt also immer beim 9.Kyu an. Wenn er alle Gürtelgrade durchlaufen hat, dann hat er die Chance, seinen 1. Dan, den Meistergrad, abzulegen.

 
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