Die zerrissene Karate Welt

Wettkampf-Karate oder Tradition

Des einen Freud ist des anderen Leid – so dürfte auch für viele Karatemeister die Entwicklung des traditionellen Karate hin zum Sport- und Wettkampf-Karate gewesen sein. Eine Jahrhundert alte Überlieferung wird zerlegt, analysiert, verändert und dann verfremdet neu aufgelegt. Das tut vielen weh! Wenn man die Welt des Sports mit der Welt der Tradition vergleicht, dann wird man feststellen: Beides kann nebeneinander existieren!

Wettkampf-Karate

Wettkampf- Karate

Die Unterschiede der traditionellen Kampfkunst Karate zum Sport-Karate

Die Entwicklung zum Wettkampfsport

Im Karate gibt es keine erste Hand – das heißt, dass ein Karateka niemals präventiv angreifen sollte. Und doch gibt es alte Überlieferungen, in dem alte Karatemeister es gutheißen, im Zuge der Gerechtigkeit oder um seine Familie zu schützen, gerade dies zu tun. Doch zu kämpfen um jemanden zu besiegen – das ist neu! Wettkampf-Karate in Form von sportlichen Punktesystemen beißt sich mit der Philosophie von Karate. Eingeführt wurde der Wettkampf durch einen hochrangigen Karate-Meister, namens Nakayama Masatoshi ( geboren 1913- gestorben 1987). 1932 trat er in die Takushoku-Universität ein, wo er unter Funakoshi Gichin und dessen Sohn Funakoshi Yoshitaka erstmals die Kampfkunst lernte. Er vertiefte später sein Karate–Studium in China und kehrte 1946 zurück. Er war 1949 Mitbegründer der Japan Karate Association (JKA). Nach Funakoshi Gichin Tod wurde Nakayama als Technischer Berater (Chief Instructor) sein Nachfolger beim JKA. Nach den Vorbildern der europäischen Sportwissenschaften standardisierte Nakayama die Techniken und Übungsformen des Karate. Unter ihm wurden auch Kumite und Kata zu Wettkampfdisziplinen.

Der traditionelle Weg des Karate

Im Karate do steht nicht der Sieg im Vordergrund. Das Training gilt nicht in erster Linie dem Kräftemessen mit anderen Kampfsportlern, sondern eher der inneren Einstellung zum Kampf. Mit der inneren Einstellung, der geistigen Entwicklung und dem körperlichen Übungen erreicht der Karateka eine Haltung tiefer innerer Kraft. Er ist sich seiner Fähigkeiten bewusst, dass die erste eingesetzte Technik tödlich enden kann bzw. muss. Zur Zeit der Besatzung durch Samurai Krieger blieb dem Volk von Okinawa auch keine Wahl. Das Schwert des Gegners oder die eigene Hand – denn Waffen waren damals strikt verboten. (Karate GeschichteNur mit einem gezielten Schlag mit der Hand konnte man sein Leben retten. Deswegen eignet sich das traditionelle Karate kaum zum Wettkampf, denn das ganze Training ist auf die geistige Kraft, Anspannung und Technik ausgelegt, einen Gegner mit einem Schlag töten zu können. Seine innere Einstellung zum Kampf und seine Charakterbildung im Laufe der Kampfkunstlehre wird den Karateka allerdings genau davon fernhalten.

Der sportliche Weg des Karate

Gerade junge Kampfsportler wollen sich messen, suchen die Herausforderung und die Bestätigung. Wer ist schneller, besser, stärker! Doch genau das bietet die traditionelle Lehre nicht und viele junge Heißsporne verlieren die Motivation zum Training. Hier bietet das Sportkarate wie beim Fechten oder Boxen nach Punktesystemen bei Wettkämpfen die Möglichkeiten, sich national und international einen Namen zu machen. Karate wird damit zum Breitensport und zieht wiederum mehr Menschen in die Vereine und Dojos. Damit erreicht die Kampfkunst Karate immer mehr Popularität und vielleicht bald das begehrte Ziel: Endlich olympische Disziplin zu werden!

Der Konflikt

Um die Kampfsportart Karate für den Breitensport „salonfähig" zu machen, wurden vor allem die Katas für die Wettkämpfe stark verändert. In den Katas werden die einzelnen Techniken für das Kumite gebündelt. Entschlüsselt man die einzelnen Techniken, kann man sie im Kampf anwenden. Für den Wettkampf wurden aber die Techniken innerhalb der Katas gedehnt, verzerrt und optisch angepasst – also publikumstauglich verändert. Dadurch weichen die Kata Wettkampf Vorführungen oft sehr von den traditionellen Katas ab. Hämische Stimmen sprechen auch von Tanz-Karate. Außerdem ist das Training einseitig auf Höchstleistung im Wettkampf ausgerichtet. Das beansprucht den Karateka körperlich auf das Äußerste und er muss wie in anderen Leistungssportarten ab einem Alter von 30 Jahren kürzertreten. Das ist nicht im Sinne von Karate. Karate – do ist die Weglehre für das ganze Leben. Der Leistungssport ist bestimmten Regeln unterworfen und hat immer den Sieg als Ziel. Im Budo ist aber nicht der Sieg das Ziel, sondern der Weg. Starke Persönlichkeiten werden vielleicht Möglichkeiten finden beides miteinander zu ergänzen – die Weglehre und die Erfahrungen aus dem Wettkampf.

Autor: Stefanie Wallner
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