Der Weg der leeren Hand

Die Geschichte der Kampfsportart Karate

Das Wort „Karate" bedeutet – „leere Hand" – eine Andeutung auf den Kampf ohne Waffen. Tatsächlich werden auch heute in den meisten Stilrichtungen des Karate nach einer langen Tradition keine Waffen benutzt. Die Insel Okinawa wird als Ursprung des modernen Karate genannt. Doch wer dem philosophischen Aspekt dieser Kampfsportart auf die Spur kommen möchte, muss etwa bis ins Jahr 500 zurückblicken. Zu dieser Zeit lehrte ein buddhistischer Mönch in einem Shaolinkloster im Norden Chinas eine Ableitung des Buddhismus, die in China als Ch'an bezeichnet wurde – im japanischen bekannt als Zen. Durch Meditationen mit verschiedenen Atem- und Bewegungstechniken und Training zur Kraft und Ausdauer nahm durch ihn die Kampfsportart der Shaolin Einfluss auf die moderne Form der Kampfkunst Karate.

Karate Geschichte

Kämpfende Shaolin-Mönche – Geschichte der Kampfkunst Karate

Ein Mönch verbindet Meditation mit Kampfsport

Die Legende des Bodhidarma - Ursprung des Karate

Bodhidarma wurde um 440 n. Chr. als dritter Sohn eines indischen Königs geboren. Er gilt als 28. Nachfolger Buddhas und war als Mitglied der Kshatriya-Kaste in Vajramushti (einer alten, indischen Form des Kämpfens, die vermutlich im 10 Jh. v. Chr. im Osten Indiens begründet wurde) ausgebildet. Im Jahr 480 n Chr. verließ er sein Heimatland Indien und reiste über den Seeweg nach China. Später überquerte er den Himalaya bis in die nördlichen Provinzen, um später den Kaiserhof in Süden Chinas zu besuchen. Im Jahr 523 n. Chr. ließ sich Bodhidharma in der Provinz Henan nieder. Dort begründete er auch das Shaolin-Kloster, das bis heute aktiv ist. In einer Höhle über dem Kloster meditierte Bodhidharma neun Jahre bis zur Erleuchtung. Danach verband er seine Meditation mit körperlichen Übungen. Da er nicht nur Mönch sondern auch Krieger war, wurden diese körperlichen Übungen in Verbindung mit der Kontrolle des Atems und des Geistes die Ursprünge einiger Kampfsportarten, darunter auch des Karate do – des Wegs der leeren Hand.

Die Kampfkunst Karate Do – Von Okinawa bis nach Europa

Die Insel Okinawa liegt zwischen Japan und China. Das macht sie zu einem strategisch wichtigen Umschlagplatz für Waren und Güter. Wegen dieser wirtschaftlichen Bedeutung gab es hier ständige Unruhen und Aufstände, die durch die Machthabenden mit Waffenverbot unterdrückt wurden. 1609 besetzten die Shimazu aus Satsuma die Inselkette. Jeder Waffenbesitz, selbst Zeremonienwaffen wurde unter schwere Strafe gestellt. Die vermischten Kampftechniken der Einheimischen mit denen der Samurai entwickelten sich weiter. Nach 20 Jahren begründeten die großen Meister einen Geheimbund und gaben Ihr Wissen um Ihre Kampfkunst nur noch im Verborgenen weiter. Das Okinawa–Te (auf Deutsch: Okinawa Hand oder Handtechnik) war darauf ausgerichtet, den Gegner mit nur einem Schlag zu töten. Die tödliche Wirkung dieser Kampfkunst führte dazu, dass die japanischen Besatzer auch die Lehre dieser Kampfkunst verboten und bestraften. Die Meister durften keine schriftlichen Aufzeichnungen anfertigen. Damit diese Kampfkunst weitergegeben werden konnte, bündelten sie die Techniken in Bewegungsabläufe und wiederkehrende Formen – den Katas. Somit ist die Kata eine Geheimsprache eines Kampfhandlungsprogramms und muss für den Kampf nur noch entschlüsselt werden. Das passiert im Bunkai-Training. Ab 1900 begann von Okinawa aus eine Auswanderungswelle nach Hawaii. Dadurch kam Karate erstmals in die USA, die Hawaii 1898 annektiert hatten. Mit Funakoshi Gichin beginnt die Reform des Karate. Er führt in Karate wesentliche Aspekte zur Charakterbildung des Schülers ein. Nach dem zweiten Weltkrieg, zur Zeit der Besatzung in Japan, konnte Karate wieder gelehrt werden, da diese Kampfkunst vom Ausbildungsministerium als Leibeserziehung eingestuft wurde. Über Japan wurde Karate auch bald in den USA populär und in den 50er und 60 er Jahren kam es dann nach Europa.

Kampfkunst Karate

Kampfkunst Karate

Die Verbreitung des Kampfsports Karate durch Funakoshi Gichin

Funakoshi Gichin ist in Shuri (Okinawa) aufgewachsen und als Begründer des heute bekannten japanischen Karate do Weg der leeren Hand)bekannt. Obwohl er nach seinen eigenen Aussagen als Kind klein und kränklich war, ist er für viele Karatekas ein großer Meister und der „Vater" des Shotokan Karate. Mit seinen 20 aufgestellten Verhaltensregeln trägt er wesentlich zur Charakterbildung der Karateschüler bei.

Funakoshi Gichins Lebensstationen in Stichpunkten:

  • trainierte in seiner Jugend unter Meister Asato Yasutsune, Karate- und Schwertkampf und unter Meister Itosu Yasutsune Okinawa-Karate. • war Hauptschullehrer in Okinawa
  • stellte 1922 der japanischen Öffentlichkeit als Leiter einer Delegation aus Okinawa die Kampfkunst Karate vor
  • blieb in Tokio und unterrichtete später nach langer Überzeugungsarbeit in der Universität
  • ab Mitte der 1920er Jahre erhielt Funakoshi dabei Unterstützung von seinen Karate-Kollegen aus Okinawa: Mabuni Kenwa, Gründer des Shito-Ryu, in Osaka und Miyagi Chojun, Gründer des Goju-Ryu, in Kyoto
  • die von ihm vertretene Stilrichung wurde von seinem Künstlernamen „Shoto" und seinem Dojo „Shotokan" (Haus des Shoto) abgeleitet.

Karate in Deutschland

Der deutsche Judoka Jürgen Seydel kam auf einem Judo-Lehrgang in Frankreich erstmals bei Meister Mirakami mit Karate in Kontakt. Begeistert lädt er ihn ein, auch in Deutschland Lehrgänge abzuhalten. Die Teilnehmer dieser Lehrgänge verbreiteten die Kampfkunst Karate wiederum unter ihren Schülern. Schließlich wurde im Jahre 1961 der erste deutsche Dachverband der Karateka, der Deutsche Karate Bund(DKB), gegründet. 1957 entstand der erste Karateverein in Deutschland unter Jürgen Seydel mit dem Namen „Budokan Bad Homburg". In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren machte Hideo Ochi die Kampfsportart Karate in Deutschland weiter populär. 1993 gründete er den DJKB – einen deutschen Ableger des JKA. Als Bundestrainer des Deutschen Karatebunds und der Nachfolgeorganisation DKV hat Ochi das Karate in Deutschland maßgeblich verbreitet und aufgebaut. Heute ist er Chief Instructor der JKA Europe.

https://www.youtube.com/watch?v=LDkyEBR5KAw

Die Verbreitung von Karate in Deutschland fand maßgeblich durch Hideo Ochi statt. Und noch heute ist der über 70-jährige fit und besser trainiert als seine jungen Schüler.

Autor: Stefanie Wallner
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