Der Kampf mit sich selbst

Budo – die Weglehre der Kampfkunst als Chance verstehen

Ich lerne Karate, erzählt Sabine auf einer Weihnachtsfeier. Die Augenbrauen ihrer Zuhörer gehen nach oben. Sofort haben Ihre Kollegen Bilder von zerschlagenen Ziegelsteinen, wilden Kämpfen und Karate Kid im Kopf. Sabine lächelt, denn sie kennt diese Reaktion. Wer sie besser kennt, der hat bemerkt, welchen Entwicklungsprozess sie in den letzten Jahren hinter sich gebracht hat. Ihre Beförderung zur Abteilungsleitung kam nicht nur von ihren fachlichen Fähigkeiten. Karate hat auch ihre Persönlichkeit verändert!

Budo und Karate

Budo und Karate

Wer die Macht des Tötens beherrscht, sollte alle Aspekte des Menschseins durchleuchten und sich selbst als Mensch erkennen!

Wie entstand Budo?

Budo ist ein Oberbegriff für Kampfkunstmethoden. Der Name fügt sich aus dem Begriff Do, dem Aspekt des Weges und der Technik des Kriegers, dem Bujutsu zusammen. Diese Techniken haben sich über Jahrhunderte entwickelt. Doch erst im 17. Jahrhundert erhielten Sie durch die Zen- Philosophie einen ethischen Ansatz. Damit entstand Budo, der Weg des Kriegers!

http://youtu.be/i3xCifM9VJU

Der Ursprung des Zen- Buddhismus gut erklärt durch Ralph Wilms

Ist Karate ohne Budo möglich?

Der ewige innere Konflikt des Menschen: Er will individuell und einzigartig sein. Er verfolgt ehrgeizig seine Ziele und hat ein gesundes Ego. Die zweite Seite: Er wird zur Unterordnung erzogen und soll sich fügen. In allen Lebensbereichen wird Anpassung gefordert. Aber wie harmonieren diese Faktoren miteinander? Wer hier eine gewisse Balance und Harmonie finden will, der muss ständig an sich arbeiten. Durch Erziehung, Gelerntes und Erfahrungen im Laufe unseres Lebens sind wir in vielen Dingen voreingenommen. Wir handeln unbewusst und instinktiv, lehnen bestimmte Dinge ab und geben neuen Gedanken kaum Raum. Genau das verlangen aber Karate oder andere Kampfkünste von uns. Die technischen Übungen fordern uns bei jedem Karate Training. Wir müssen aufpassen, dass wir niemanden verletzen. Unser Ego zu siegen ist hier nicht gefragt. Wir müssen bewusst auf unsere Fehler achten, denn jeder Fehler kann in einer realen Auseinandersetzung Verletzungen oder gar unseren Tod bedeuten. Wir müssen den Gedanken an unsere Schwächen beiseite schieben, damit wir unsere Stärken aufbauen können. Offen sein für alles, was der Sensei uns lehrt. „Das kann ich nicht", ist eine Mauer, über die man nicht klettern kann, aber auch anscheinend nicht will. Auch hier setzt Budo neue geistige Wege frei. Ist der Karateka offen für alle Aspekte seiner Kampfkunst, so wird er auch allen anderen Aspekten des Lebens offener gegenüberstehen.

Budo - Geistige Grenzen überwinden und Zusammenhänge verstehen

In Asien gibt es viele Budo- Wege, aber alle haben ein Ziel: Die Kampfkünstler arbeiten an sich selbst zur inneren Vervollkommnung! Dazu hilft dem Karateka die Übung der Techniken. Sie fordern seinem Geist und gleichermaßen seinem Körper Energie und vitale Kraft ab. Man spricht dabei auch von Waza, der Übung der Form und von Ki, der Übung der vitalen Energie. Doch um die Lehre ganzheitlich zu sehen, muss hierzu auch das eigene Verhalten zu sich selbst, zum Sensei und der eigene Wille zur Entwicklung betrachtet werden. Alle Aspekte zusammen ergeben die Wegphilosophie. Nur der Geist kann die Technik und die Energie in die richtige Richtung lenken und dem Karate, das wir praktizieren wollen, einen Sinn geben. Dabei sollte das Ziel heißen: Konflikte selbstbewusst kampflos lösen zu können! Wer das nicht will, der übt eine Sportart aus und trainiert seinen Körper.

Der Weg des Budo bedeutet: Neue Erfahrungen zulassen!

Ein europäischer Universitätsprofessor bat einen japanischen Meister, ihm etwas über die Weglehre Budo zu erzählen. Der Meister empfing den Professor und bot ihm eine Tasse Tee an. Er goss die Tasse seines Besuchers voll und hörte nicht auf, weiterzugießen. Der Professor beobachtete das Überlaufen seiner Tasse eine Weile. Doch dann rief er empört über das Verhalten seines Gastgebers: „ Stopp. Die Tasse ist voll! Es geht nichts mehr hinein!" Der Meister hörte auf zu gießen und sprach: „Wie diese Tasse sind ihre Gedanken voll von Vorstellungen, von Meinungen und Wissen. Wie wollen sie den Weg verstehen, bevor sie ihre Tasse geleert haben?"

Was kommt zuerst im Budo – Körper oder Geist?

Budo ist eine Entwicklung zur Ganzkörperbewegung. Dabei ist nicht die Bewegung an sich gemeint, sondern die äußere und innere Haltung zur Bewegung und dem Ziel. Es ist nicht die Leistung der motorischen Fähigkeit gefragt. Nur ein ganzheitliches Zusammenspiel des Geistes, der Einstellung, der Entwicklung, des Willens , die Selbstkontrolle und der Fähigkeit zur Veränderung kann dem Karateka in seinen Stufen dem Ziel zur Vervollkommnung näher bringen. Dabei verändert sich auch die Persönlichkeit. Er profitiert nicht nur im Training von diesem Prozess, sondern auch privat und beruflich. Mit neuer mentaler Stärke und Achtsamkeit ist man heutzutage gefragt als Teamleader und Führungskraft.

https://www.youtube.com/watch?v=HR9cpA_rDfw

Budo - die Weglehre des Kriegers kommen aus der Zen Philosophie

Budo und seine Bedeutung für uns Karatekas

„Jegliches Budo ist eine Art zu Leben. Beim Training trifft man Gleichgesinnte und erhält Reflektionen. Aber Budo endet nicht am Ausgang des Dojo, im Gegenteil."

"Budo ist ein Weg, ein Werkzeug, um meine Grenzen kennenzulernen, diese Grenzen aber auch zu überwinden, täglich neu zu definieren. Ein Weg um sich selbst zu finden."

"Der ideale Sensei bzw. Meister oder Danträger in meiner Perspektive:
"Der Weise ist ein Mensch des Friedens. Und doch birgt er in sich die wunderbaren Eigenschaften eines Kriegers.
Er verabscheut Waffen. Er hasst Kriegsführung. Der große Krieger ist für ihn jener, der Konflikt vermieden hat und nie hat Gewalt anwenden müssen. Als ein Krieger hat er die Kunst gelernt, seinen Gegner ohne Demütigung zu unterwerfen.
Er hat den Mut von jemandem, der sich überwunden hat. Er hält weder am Leben nicht fest, noch er wird durch seine eigenen Leidenschaften getrieben. Der Tod schüchtert ihn nicht ein. Er ist imstande, sich den unmöglichsten Hindernissen zu stellen und den schlimmsten Gegnern würdig und mutig zu begegnen.
Er ist kein Pazifist. Wenn er keine andere Möglichkeit sieht, wird er geschickt und leidenschaftslos kämpfen. Doch er wird sich nicht am Sieg erfreuen, denn er betrachtet Siegerparaden als blutrünstigen Jubel nichtwissender Metzger. Ebensowenig fürchtet er die Niederlage: sie ist kein Stachel der Demütigung für jemanden, der nur ein sehr kleines Ego hat, das verletzt werden kann." Quelle: http://taoism.net/german/jos/sage.htm

Jan Bujok

 

Was bedeutet Budo für mich?
Nun, das ist nicht mit ein paar wenigen Sätzen zu erklären.
Ich begann 1968 im Alter von 12 Jahren mit dem Training des Shotokan Karate. Also Kampfsport im Sinne des Sportes. Habe dort bis 1972 fleißig trainiert und bin dann ins damalige Vollkontaktkarate gewechselt und begann dort zu begreifen, dass hinter all den Dingen die ich übte und all den Schmerzen, die mir das neue, andere Training und jeder Treffer verursachte ein Sinn stecken musste. Nur einfach so, hat sich keiner der alten Meister mit einem anderen einfach auf das Tatami gestellt um auszuprobieren was er denn so kann und wer denn nun die bessere Technik habe. Es musste also irgendetwas geben, was diese Menschen veranlasste mit sich selbst (und Schülern wie Gegnern) so weit zu gehen.
Ja und da begann ich zu grübeln und nachzudenken. Dabei bemerkte ich, dass ich "von Hölzchen auf Stöckchen" kam und dass sich da etwas in mir auftut, dass mich mehr und mehr in seinen Bann zog. Etwas das nur mit mir selbst und dem was ich bin, oder glaubte zu sein, zu tun haben musste. Ich begann, und damals gab es noch lange nicht die Info-Quellen wie sie heute selbstverständlich sind, nachzuforschen. Was ist das denn da überhaupt, jenseits der körperlichen Übung, was ich da tue. Ich stieß seinerzeit das erste Mal auf den Begriff Budo, den Weg des Krieges/Kriegers. Was für ein Weg sollte das sein ?
Es hat gedauert bis ich verstand...
Was hat(te) ein Krieger für einen Weg zu gehen, wenn er erfolgreich Krieger sein wollte/sollte ?
Er muss seine Sache so gut beherrschen, dass man es als Kunst betrachten kann. Aber was ist diese "Sache" ? Nur das Kämpfen ? Hauruck und drauflos, Hauptsache der Gegner lag zum Schluß tot vor einem ? Das konnte es nicht sein. Denn dazu braucht es keinen Weg im Sinn der asiatischen Philosophien.
Ich verstand, dass der "Weg" des "Budo" ein Weg in unser Inneres sein musste und ich begann mein Training zu ändern. Ich las an Literatur was mir in die Finger kam, sprach mit allem und jedem der auch nur annähernd etwas mit einer Kampfsportart zu tun hatte und versuchte all das mit dem zu vergleichen was ich so dachte.
Im Laufe der Jahre kam ich immer mehr zu der Schlussfolgerung, dass der Weg des Budo ähnlich ist wie der Weg eines z.B. religiös tiefgläubigen Menschen. Es geht darum sich zuallererst einmal selbst zu erkennen (Meikyo). Zu wissen, wer, was und wie bin ich eigentlich selbst ? Nur wenn ich das annähernd weiß, und verinnerlicht habe, dass das, was ich über mich selbst herausgefunden habe mit dazu dienen soll, zu erkennen, dass ich in allem bin was ich tue und was und wer ich bin schlussendlich immer endlich bin.
Dass auch MEIN Weg zwangsläufig irgendwann endet und nur ich ganz alleine es in der Hand habe, mit welchem Bewusstsein dies eines Tages sein wird. Da war für mich klar, dass Budo ein Weg ist, der mich im Leben darauf vorbereitet, dass eben dieses Leben jeden Augenblick vorüber sein kann und dass es dann wichtig ist zu wissen, dass man (s)ein Leben auch in diesem Bewusstsein gelebt hat. Schaut man auf die Tradition der Krieger, dann ist das gleichbedeutend die Vorbereitung auf den Tod. Und in diesen sollte man als "Ehrenmann" gehen können. Dies kann aber nur gelingen, wenn man während seiner Lebzeiten so gelebt hat, dass man dann ganz zum Schluss nicht denken muss: "Sch..., was war ich nur für dein furchtbarer Mensch", sondern dass man mit sich im Reinen ist und somit seine Energie dem Universum zurück geben kann.
Budo bedeute für mich:
Hier, Heute und Jetzt der Mensch zu sein, der augenblicklich ein Krieger und/oder auch alles andere sein kann. Ein Mensch, der bereit ist jederzeit den Tod anzunehmen weil er mit sich selbst im Reinen ist oder zumindest daran arbeitet.

"Budo hat so viele Aspekte, da Budo Leben ist und umgekehrt. Budo funktioniert nicht nur im Dojo, Budo ist- und wenn ja dann immer und überall, oder es ist nicht. Man kann Budo nicht an- und/oder abschalten.
Daher berührt und ist Budo alles und jedes was uns im täglichen Leben begegnet. Das ist das Schwerste daran. Sich täglich in allem Tun zu hinterfragen, ob dies mit Budo zu vereinbaren ist. Und da dies Niemandem wahrlich und wirklich gelingt, ohne sich nicht in eine Höhle zurückzuziehen um dort nur noch Budo und schlussendlich nur noch Do zu sein, ist Budo ein lebenslanger Begleiter und das "Sich Üben" darin nimmt kein Ende. es seid denn, ... s.o.
Und daher geht es täglich aufs Neue los, das Üben . . . und manche Dinge eben immer und immer wieder, weil wir immer wieder Fehler machen. Mal alte und uns selbst ausreichend Bekannte, mal Neue.
Wer will von sich wirklich und wahrlich behaupten im Lauf einer Kata nicht einen Fehler zu machen ?
Es ist das 1.000 Mal üben der Heian shodan das uns wissen lässt, dass auch die 1.001 ist immer noch nicht so ist wie sei sein könnte...

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen und zu schreiben aber das würde zu weit führen.
Ich empfehle gerne auch "Die wunderbare Katze" von Dürkheim, natürlich "Karate Do" mein Weg von Funakoshi Gishin und die Bücher von Richard Kim.
Bleiben wir dran. I.d.S. rei und Gruß"

Bernd Radel

"Alle meine Kampfprinzipien sind auch im Leben anwendbar."

Frankie

 

Autor: Stefanie Wallner
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