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Die Philosophie der Kampfkunst Karate

Karate verändert Dein Leben! Diese Aussage liest man in vielen Büchern der großen Meister. Ein Anfänger vergleicht das Gesagte vielleicht mit seinen Erfahrungen in anderen Sportbereichen. Klar purzeln durch Zumba und co. mal ein paar Pfunde, man bewegt sich besser und kann toll mit den Hüften wackeln. Aber wie kann eine Kampfsportart das Leben eines Menschen wirklich und nachhaltig verändern?

Karate und Meditation

Kampfsportler bei der Meditation

Karate-Training ist mehr als nur „Workout“

Wohltuende Atmosphäre im Dojo

Die Veränderung passiert sicherlich nicht gleich mit der Anmeldung beim Karate Verein. Als Anfänger ist man trotzdem positiv überrascht, wie freundlich die Gruppe einen Neuankömmling aufnimmt. Alle Karatekas begrüßen sich und stellen sich vor. Jedem, der hier eintritt wird Respekt gezollt, ob Anfänger oder Schwarzgurt. Jeder nimmt Rücksicht auf den anderen und wenn der Sensei/Trainer dem Anfänger etwas erklärt, warten die anderen geduldig. Keiner macht sich lustig über die typischen Anfängerfehler beim Karate. Die höheren Gürtelgrade helfen den unteren Gürtelgraden und es herrscht eine wohltuende Konzentration und entspannte Atmosphäre. Der Blick ist gerichtet auf das Wesentliche – das Training.

Der Weg der leeren Hand

Karate bedeutet übersetzt „die leere Hand“. Oft hängt man an Karate auch das Wort „Do“ – der Weg.  Karate Do - Der Weg der leeren Hand ist aus der Geschichte der Kampfkunst Karate begründet, denn den Kampfsportlern war damals das Benutzen von Waffen strikt verboten. Aber um Karate wirklich zu verinnerlichen, muss der Karateka auch lernen, seinen Geist zu leeren.

Ein „voller Geist“ ist nicht mehr bereit, sich auf Neues zu konzentrieren. Ein „voller Geist“ kann nicht in allen Situationen verantwortungsvoll handeln. Die Ziele eines Karatekas sind die Entwicklung und Entfaltung seiner eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung, Konzentration und innere Ruhe. Er will sind ständig verbessern –  geistig und auch körperlich. Damit ist der Weg das eigentliche Ziel der Kampfkunst.

Der Weg zur Reife

Die verschiedenen Gürtel-Grade signalisieren die Reifezeit eines Karatekas. Das fängt bei weiß an und hört bei der dunkelsten Farbe schwarz auf. Aber diese Gürtelgrade drücken nicht immer die innere Reife eines Karatekas aus. Die muss jeder für sich selber finden, denn Karate ist ein Lebensweg, den man beschreiten will oder nicht. Lässt man sich darauf ein, dann helfen ihm die 20 Regeln des Funakoshi im Alltag und im Sport.

Die Shōtō-Niju-Kun – 20 Verhaltensregeln des Karate von Funakoshi

Die zwanzig Shōtō-Niju-Kun erklären das Grundprinzip des Karate Dō. Diese Regeln sollen den Charakter der Schüler formen.

1. Vergiss nie: Karate beginnt mit Respekt und endet mit Höflichkeit

2. Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.

3. Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.

4. Erkenne Dich selbst zuerst, dann den Anderen.

5. Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.

6. Lerne, Deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann von Unnützem.

7. Unheil entsteht durch Nachlässigkeit.

8. Karate findet nicht nur im Dojo statt.

9. Die Ausbildung im Karate umfasst Dein ganzes Leben.

10. Verbinde Dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.

11. Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn Du es nicht ständig wärmst.

12. Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie Du nicht verlierst.

13. Wandle Dich, abhängig von Deinem Gegner.

14. Der Kampf hängt von der Handhabung deiner Treffsicherheit ab.

15. Stelle Dir Deine Hand und Deinen Fuß als Schwert vor.

16. Wenn man das Tor der Jugend verlässt, hat man viele Gegner.

17. Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Einsteiger, später gibt es den natürlichen Zustand.

18. Übe die Kata korrekt, der echte Kampf ist eine andere Angelegenheit.

19. Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.

20. Denke immer nach und versuche dich ständig am Neuen.

Respekt bei Karate

Karate beginnt mit Respekt und endet mit Höflichkeit

Karate verändert deine Persönlichkeit

Auch wenn Karate am Anfang noch wie ein Buch mit sieben Siegeln scheint, öffnet sich nach einer Weile harten Trainings so langsam ein Fenster. Ein japanischer Sensei sagte auf einem Lehrgang: „Es ist egal, welche Gürtelfarbe Du hast, wenn Du Deinen Geist für Karate öffnest, dann kommt alles andere von alleine und Du blockierst Dich nicht mehr mit Deinen Gedanken. Lass Dir die nötige Zeit und Du spürst, dass Du reifst.“

 Wenn man sich Zeit lässt und auch nicht mehr die Angst vor Blamage da ist, dann wird man tatsächlich schneller Fortschritte merken.  Man ist freier und offener für das Neue.

Somit lässt sich Karate auf viele Situationen des Lebens übertragen. Wenn wir vor Bergen von Arbeit sitzen und die schnell bewältigt werden muss, dann blockieren wir uns selber und können oft keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sobald wir uns davon lösen und uns auf das Thema konzentrieren, dass wir gerade bearbeiten, dann gehen die anderen Themen auch schneller von der Hand. Durch Karate lernen wir Geduld zu haben, innere Ruhe zu bewahren und mit anderen Menschen respektvoller umzugehen, Rücksicht zu nehmen auf uns selbst und andere.

Autor: Stefanie Wallner
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Ich lerne Karate, erzählt Sabine auf einer Weihnachtsfeier. Die Augenbrauen ihrer Zuhörer gehen nach oben. Sofort haben Ihre Kollegen Bilder von zerschlagenen Ziegelsteinen, wilden Kämpfen und Karate Kid im Kopf. Sabine lächelt, denn sie kennt diese Reaktion. Wer sie besser kennt, der hat bemerkt, welchen Entwicklungsprozess sie in den letzten Jahren hinter sich gebracht hat. Karate hat ihre Persönlichkeit verändert!

 
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